Friedrich Ludwig Schröder

* 3. November 1744, Schwerin † 3. September 1816, Rellingen

 

Herkunft und Jugend

Sophie Charlotte Biereichel, einer Berliner Goldsticker-Familie entstammend, heiratete 1734 mit zwanzig Jahren den Organisten der Berliner Georgenkirche Johann Diederich Schröder. Dieser erwies sich bald als haltloser, dem Alkohol verfallener Mensch, so dass ihn seine Frau 1738 verließ. Sie schloß sich Ende 1739 zusammen mit Konrad Ekhof einer Theatergruppe in Lüneburg an und zog mit ihr durch Deutschland. Einer ihrer Kollegen war Konrad Ernst Ackermann. Sie fand sich schnell in diesem Metier zurecht und übernahm sogar von 1742 bis 1744 die Direktion einer Truppe, scheiterte aber völlig.

Mit Schröder versöhnte sie sich kurzzeitig im Frühjahr 1744 in Hamburg, woraus die Geburt von Friedrich Ludwig Ulrich Schröder am 3. November 1744 in Schwerin resultierte. Der Erzeuger war zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Berlin, fand aber keine Stelle mehr und soll kurz darauf gestorben sein. Taufpaten des kleinen Friedrich waren zwei Prinzen und eine Prinzessin von Schwerin, die die Schauspielkunst von Sophie schätzten und sie unterstützten. Sophie blieb fast drei Jahre in Schwerin, musste sich aber zeitweise mit Kunststickerei durchbringen.

Bildnis Friedrich Ludwig Schröder, Öl auf Holz, oval: 34 x 28,5 cm, signiert und datiert: R. Freny 1800

Bildnis Friedrich Ludwig Schröder, Öl auf Holz, oval: 34 x 28,5 cm, signiert und datiert: R. Freny 1800

1747 wandte sie sich wieder der Schauspielerei zu, und zwar in der Truppe ihres früheren Kollegen Ackermann, der sie gebeten hatte, zu ihm nach Danzig zu kommen. 1749 heiratete sie ihn in Moskau und bekam in dieser Ehe noch drei Kinder.

Friedrich hatte durch seine Mutter die ganze Kindheit über Kontakt zum Theater. Schon mit vier Jahren stand er in der Rolle der Unschuld auf der Bühne des Petersburger Theaters. Von nun an trat er ständig in Kinderrollen auf, nur unterbrochen durch einen dreimonatigen Besuch der Jesuitenschule in Warschau 1754. Diese Zeit war wohl die glücklichste seiner Jugend, denn hier fand er zum ersten Mal Verständnis und Liebe. So wollte er leiber dort bleiben, als mit der Truppe weiter zu ziehen, und es gelang nur durch einen Trick, ihn von der Schule fortzulocken.

Bei der Theatertruppe erwarteten ihn nur Zurücksetzungen, Schläge und Beschimpfungen. Längst schon war seine Erziehung einer Freundin seiner Mtter, Clara Hoffmann, übertragen worden, weil Sophie sich nur noch um seine Stiefgeschwister kümmerte. Von nun an durfte er auch nicht mehr mit der Familie essen, sondern wurde an den Tisch des Gesindes verwiesen. Nach einem kleinen Diebstahl gab man ihn im März 1756 in ein Königsberger Internat der Pietisten, das Fridericianeum. Dort bestimmten Strenge gepaart mit endloser Bibellektüre sein Leben. Hier ließen die Eltern den zwölfjährigen Jungen allein zurück, als mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges die Russen anrückten um die Stadt zu besetzen. Da die Eltern auch kein Schulgeld mehr zahlten, wurde Friedrich von den christlichen Pädagogen im Juli 1757 auf die Straße gesetzt.

Nun lebte er ziemlich unstet, bis er im Frühjahr 1759 als Fünfzehnjähriger quer durch Deutschland bis nach Solothurn in der Schweiz, wo er als Possenreißer und Ballettänzer wieder der Truppe seines Schwiegervaters beitrat. Die Wiedervereinigung mit der Familie stand aber unter keinem guten Stern. Er fühlte sich seinen Stiefgeschwistern gegenüber zurückgesetzt und erhielt zunächst auch keine Gage, was zu ständigen Reibereien mit dem Stiefvater führte, bei denen er einige Male den Degen zog. Auch vor Diebstählen aus der Theaterkasse schreckte er nicht zurück

Bei seinen Bekannten galt er als jähzorniger Raufbold und Taugenichts, der seine Zeit lieber am Spieltisch oder beim Billard verbrachte. Er war in mindestens drei Duelle verwickelt, bei zweien von ihnen als Herausforderer. Sie endeten aber jeweils nur mit kleineren Verletzungen. Die Schuld für diese charakterliche Entwicklung muß man sicher der Königsberger Zeit zurechnen, doch herrschte in der Truppe inzwischen ständig ein gereizter Ton, weil die Einnahmen geringer wurden und man ständig auf der Wanderschaft sein musste, um in kleineren Städten in der Schweiz, im Elsaß und in Süddeutschland zu spielen.

Erst das Ende des Siebenjährigen Krieges brachte eine wirtschaftliche Besserung. Nun wandte man sich auch wieder in Gebiete nördlich der Mainlinie, wo Konrad Ekhof der Truppe beitrat, der Friedrichs Vorbild wurde.

 

Schauspieler und Theaterleiter

1764 ging die Truppe nach Hamburg, wo Ackermann 1765 am Opernhof ein eigenes Theater baute. Friedrich ging wegen der weiter bestehenden Spannungen 1767 und 1768 nach Frankfurt am Main, kehrte dann aber nach Hamburg zurück. Trotzdem glaubte Ackermann noch kurz vor seinem Tode, 1771 seine Frau vor dem Charakter von Friedrich warnen zu müssen. Die Warnung war aber wohl nicht mehr berechtigt, denn Friedrich hatte seit seiner Rückkehr für einige Jahre ein sehr enges Verhältnis zu der sechs Jahre älteren gefeierten Schauspielerin Susanne Mecour, die ihm den Halt gab, den er bisher nicht gefunden hatte. Schon vor dem Tode des Stiefvaters wurde Friedrich neben seiner Mutter Mitdirektor im Hamburger Theater und unternahm mit der Truppe Gastspielreisen durch Deutschland und Österreich. Auf diese Tätigkeit war er trotz der Spannungen mit Ackermann insofern vorbereitet, als er seit 1762 für die Inszenierungen der Ballette verantwortlich war.

Auch wenn er sich später verschiedentlich negativ über das Musiktheater geäußert hat, erntete er doch hier den ersten Ruhm. Zwischen 1762 und 1775 inszenierte er 73 Ballette und trat von 1759 bis 1778 selbst als Tänzer auf. Danach beschäftigte er sich allerdings – mit Ausnahme einer Opernbearbeitung 1788 – nur noch mit dem Sprechtheater. Er hat jedoch vier frühere Ballettstoffe später in dramaturgischer Bearbeitung wieder aufgenommen.

Bei der Oper handelte es sich um Orpheus II., ein Singspiel Gottlieb Stephanies des Jüngeren mit Musik von Dittersdorf. Schröders Anteil an der Bearbeitung beschränkte sich darauf, den gesprochenen Text zu verbessern. Die Musik tastete er nicht an.

1773 heiratet Schröder seine Kollegin Anna Christina Hart, 1756 in Petersburg geboren. Es war eine vorbildliche Ehe, die jedoch – anscheinend zum Bedauern Schröders – kinderlos blieb.

Als Theaterdirektor empfing Friedrich in seinem Haus am Opernhof regelmäßig einen Kreis von Theaterfreunden. Die wichtigste Figur dieses Kreises war wohl Johann Joachim Bode, Verleger und Übersetzer. Er vermittelte Schröder die Bekanntschaft mit Lessing und Herder und bewog ihn auch, Freimaurer zu werden.

Im Bestreben, den Geschmack des hamburger Theaterpublikums in seinem Sinne zu formen, regte Schröder das Theatralische Wochenblatt an. Es erschien 1774 und 1775 in 24 Nummern, herausgegeben von Johann Christian Bock. Der war bis 1778 Schröders Theaterdichter und bearbeitete hauptsächlich englische Komödien für die Hamburger Bühne. Mit der gleichen Aufgabe wurde von 1789 bis 1792 Johann Friedrich Schink betraut, der zeitweilig auch wieder eine Zeitung herausgab, die Hamburgische Theaterzeitung, die 1792 und 1793 erschien.

Schröders Erfolg als Schauspieler und Theaterdirektor beruhte auf dem Bestreben, neue und natürliche Ausdrucksformen auf der Bühne durchzusetzen, wie es von Ekhof begonnen worden war, einerseits weg vom hohlen Pathos, andererseits weg von sinnloser Hanswurstiade. Zudem stellte er neue Stoffe vor, die im Einklang mit der neuen Natürlichkeit standen. So ist er neben Wieland noch heute in den Literaturgeschichten als einer der ersten Förderer Shakespeares in Deutschland zu finden. Zwar gab es in den frühen siebziger Jahren auf verschiedenen Bühnen Versuche mit Stücken von Shakespeare, doch erst Schröder schaffte 1776 mit seiner Hamlet-Aufführung , in der er selbst den Geist spielte, den Durchbruch. Dies bedeutete auch für ihn selbst den Anfang eines neuen Rollenfachs, des Tragischen, galt er doch bisher als Komiker. Nun brachte er in rascher Folge sieben weitere Shakespeare-Stücke heraus, die er jeweils für den damaligen Publikumsgeschmack stark bearbeitete.

Einen seiner größten schauspielerischen Erfolge hatte er 1780 als König Lear im Wiener Burgtheater. Auf Grund dieser Leistung wurde er 1781 Mitglied dieser Bühne, an deren Leitung er von 1782 bis 1784 teilnahm. Der Entschluß, die Hamburger Theaterleitung niederzulegen, war schon 1779 gefallen, als er größere Auseinandersetzungen mit seinen Schauspielern hatte. So konnte er das finanziell sehr günstige Wiener Angebot annehmen, wo er bis 1785 blieb.

Lithograpie von Friedrich Carl Gröger (1766-1838) und Heinrich Jacob Aldenrath (1775-1844)

Lithograpie von Friedrich Carl Gröger (1766-1838) und Heinrich Jacob Aldenrath (1775-1844)

Für die Rückkehr war die Krankheit seiner Mutter ausschlaggebend, da dadurch die Gefahr bestand, das hamburger Theater zu verlieren. So übernahm er wieder die Leitung, teilweise im Wechsel mit seiner Frau. Er hatte jetzt so viel Freude an seiner Tätigkeit, dass er 1790 das Angebot ausschlug, in Berlin eine Direktion zu übernehmen.

1793 gründete er eine Unterstützungskasse für seine Schauspieler, in die er selbst hohe Summen einzahlte. Finanziell ging es ihm seit der Wiener Zeit glänzend. Wenn man bedenkt, unter welchen Verhältnissen er aufwuchs, ist es schon erstaunlich, dass er sich 1797 das Gut Rellingen bei Pinneberg kaufen konnte, seinen Altersruhesitz.

Seit 1796 trat er bis auf eine kurze Episode 1798 nicht mehr auf und hatte wiederholt öffentlich erklärt, die Direktion abgeben zu wollen, sobald sich ein Nachfolger fände. 1798 verpachtete er das Theater schließlich an eine Gruppe seiner Schauspieler und zog sich theatermüde nach Rellingen zurück. Selbst die Bitte Schillers, bei der Uraufführung in Weimar den Wallenstein zu spielen, brachte ihn nicht auf die Bühne zurück. Er hatte inzwischen eine neue Beschäftigung gefunden: Die Reform der hamburger, und dann der deutschen Freimaurerei, eine Tätigkeit, die ihn bis zu seinem Tode voll in Anspruch nahm.

Seine auch heute noch große Bedeutung für die deutsche Theatergeschichte beruht auf drei Faktoren: Zum Ersten als Schauspieler auf der Durchsetzung eines neuen Darstellungsstils der gehobenen Natürlichkeit. Zum anderen sowohl als Schauspieler wie als Theaterdirektor auf der praktischen Verwirklichung der Ideen, die Lessing in seiner Hamburgischen Dramaturgie ausgebreitet hatte. Es war ganz wesentlich seiner künstlerischen Persönlichkeit zu verdanken, dass die neue deutsche Nationalliteratur sich mit Werken wie Lessings Emilia Galotti, Goethes Götz von Berlichingen und Schillers Die Räuber beim Publikum durchsetzen konnten. Erst der literarische Hintergrund, der Kampf gegen die modische französische Literatur im Geist des erwachenden deutschen Nationalgefühls kann heute die Huldigungen der klassischen deutschen Dramatiker an den Schauspieler Schröder verständlich machen. Ein Drittes aber war sein Bemühen als Theaterleiter, den sozialen Status des Theaters und der Schauspieler zu heben, nicht nur durch die Unterstützungskasse, sondern durch eine fast zu strikte Sittlichkeits- und Moralauffassung, um das Odium der Halbwelt und des fahrendes Volkes zu beseitigen. Gerade dadurch zog er sich jedoch öfter den Zorn seines Ensembles zu.

 

Der Dramatiker

Mit der Absicht, dem Publikum neue Stücke vorzustellen, erließ Schröder 1775 zusammen mit seiner Mutter einen öffentlichen Aufruf, in dem er unter Zusicherung fester Honorare um die Einsendung von Originalen und Übersetzungen zur Aufführung bat. Die Ergebnisse, veröffentlicht im vierbändigen Hamburger Theater von 1776 bis 1781, waren entmutigend. So intensivierte er die 1771 begonnene Tätigkeit, selbst fremde Stücke zu übersetzen oder zu bearbeiten. Hierfür hatte er zwischenzeitlich auch Bock engagiert, später Schink.

Solche Bearbeitertätigkeit, die wir heute als Plagiierung empfinden, war zu jener Zeit ganz natürlich. Es war geradezu das Besondere an Schröders Aufruf von 1775, dass er den Autoren feste Honorare anbot, anstatt ihre Stücke einfach zu benutzen. Der große Bedarf für neue Texte lag an der damaligen Theaterpraxis, meist zwei Stücke an einem Abend zu spielen. Zudem war der Kreis der Theaterbesucher recht klein und verlangte so ständig nach Neuem. Der Theaterdirektor Schröder war also wegen des wirtschaftlichen Erfolges gezwungen, ein ständig wechselndes Repertoire anzubieten.

Angeregt durch seine Bearbeitungen fremder Stücke begann er schließlich, eigene zu schreiben. Es ist heute jedoch recht schwierig, Originale und Bearbeitungen auseinander zu halten, da auch die letzteren oft unter seinem Namen gedruckt wurden. Er selbst hat zu solchen Verwirrungen ein gutes Teil beigetragen, da er auch von Bearbeitungen als seinen Stücken sprach. Dieser Problematik ist denn auch der Herausgeber von Friedrich Ludwig Schröders Dramatische Werke, Eduard von Bülow, erlegen. In den von ihm 1831 publizierten vier Bänden sind 32 Stücke enthalten, die längst nicht alle Originale sind. Andererseits hat Schröder allein an Bearbeitungen ein Vielfaches produziert.

Manches wird dabei sicher ungeklärt bleiben müssen, da Schröder nach einer Verhaftung durch die Franzosen während der Besetzung von Hamburg viele Papiere seines Archivs vernichtet hat. Er fürchtete eine Haussuchung, und ihm war durch die Praxis der französischen Theaterzensur bekannt, dass alle Stücke Schwierigkeiten bereiteten, die in irgendeiner Weise deutsches Nationalbewusstsein anzudeuten schienen. Dieser Vernichtung ist auch ein großer Teil seiner Korrespondenz zum Opfer gefallen.

Zweierlei kann aber festgestellt werden:

Schröders Bearbeitungen überwiegen bei weitem seine Originale;
Den Literaturgeschichten sind selbst seine Originale heute kaum noch eine Zeile wert, obwohl sie zu seiner Zeit sehr erfolgreich waren und noch bis ins Biedermeier ständig auf deutschen Bühnen zu finden waren.

 

Die letzten Lebensjahre

1798 zog sich Schröder mit 54 Jahren auf sein Gut Rellingen zurück. Neben der freimaurerischen Tätigkeit, die seine Zeit stark in Anspruch nahm, suchte er sich noch andere Interessengebiete. Er beschäftigte sich mit Landwirtschaft, machte physikalische Experimente und wandte sich schließlich in den letzten Lebensjahren der Astronomie zu. Daneben empfing er für Tage oder Wochen zahlreiche Besucher, denn Gastlichkeit war ihm ein Bedürfnis.

Das Theater ließ ihn jedoch nicht los. Um 1806 gewann er neues Interesse daran, beschäftigte sich wieder mit Übersetzungen und beobachtete die Arbeit seiner Hamburger Theaterpächter. In steigendem Maße unzufrieden mit ihnen und in Sorge um die Pachteinnahmen entschloß er sich, ab 1811 die Bühne wieder selbst zu leiten. Es war der teuerste Entschluß seines Lebens, für dessen Mißlingen zum Teil die politischen Verhältnisse verantwortlich waren.

Portrait, Kupferstich-Sammlung Herbert Bock

Portrait, Kupferstich-Sammlung Herbert Bock

Seit 1805 beobachtete er die politische Lage Deutschlands mit Sorge. Er machte kein Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der französischen Expansionspolitik, und die französische Besetzung Hamburgs im Jahre 1810 hielt er für das unglücklichste Ereignis seines Lebens. Die scharfe französische Zensur hinderte ihn, die Stücke zu spielen, von deren Wert er überzeugt war. Sie galten politisch als anstößig. Erlaubt wurden hauptsächlich seichte Komödien, die jedoch kein finanzieller Erfolg wurden, da sie dem hamburger Publikum schon bekannt waren. Hinzu kam, dass Schröder tatsächlich das Gespür für den Publikumsgeschmack verloren hatte. Ein weiteres Ärgernis war die deutliche Bevorzugung der französischen Bühne in Hamburg durch die Besatzer.

Der finanzielle Verlust war so groß, dass er sogar, um die Gagen für seine Schauspieler zahlen zu können, wertvolles Silbergeschirr verkaufen musste, das er in seiner Wiener Zeit erworben hatte. Froh, 1812 die Bühne wieder abgeben zu können, war er schon am Morgen nach der letzten Vorstellung wieder in Rellingen.

Die politischen Ereignisse gönnten ihm jedoch keine Ruhe. In den 1813 begonnenen Freiheitskriegen nahm er unter großen eigenen Opfern deutsche Flüchtlinge aus den Kampfgebieten und verbündete russische Truppen auf seinem Gut auf. Auch seine Halbschwester Dorothea nahm er 1814 zu sich, nachdem deren Ehemann gestorben war.

Im Frühjahr 1816 entwickelte sich an einem Bein ein schwer heilendes Geschwür, das ihm monatelang Schmerzen bereitete, immer größer wurde und das Bein zeitweilig absterben ließ. Hinzu kam Ende August Harnverhalten, das ihn in starke Angstzustände versetzte und ihn spüren ließ, dass er sterben würde. Sein Arzt konnte nur noch lindern, aber das von ihm diagnostizierte rheumatische Fieber – wohl eher Altersdiabetes - nicht mehr heilen.

Am 3. September 1816 starb Friedrich Ludwig Schröder im 72. Lebensjahr. Am 9. September wurde der Sarg nach Hamburg ins Logenhaus gebracht, wo in einer kurzen Trauerfeier die Brüder von ihrem Großmeister Abschied nahmen. Von dort ging es in einem großen Trauerzug vor das Dammtor auf den Jacobi-Kirchhof. Seine Witwe gab ihm folgende Grabinschrift:

Dem Freunde der Wahrheit und des Rechts
Dem Förderer menschlichen Glückes
Dem unerreichten Künstler
Dem liebevollen Gatten

Heute befindet sich sein Grab auf dem Ohlsdorfer Ehrenfriedhof.

Friedrich Ludwig Schröder hat alle seine Tätigkeiten aus einem Geiste gestaltet. Als Künstler war er gleichzeitig Freimaurer, besorgt um die sittliche Hebung seiner Gesellschaft, bemüht, der Wahrheit und der Menschenliebe auf der Bühne und in seiner Umgebung zur Herrschaft zu verhelfen. Als Freimaurer war er gleichzeitig Künstler, der das freimaurerische Ritual als dramaturgische Aufgabe erkannte und zu einem wirksamen und wirkenden Schauspiel formte. Die Suche nach der Wahrheit führte ihn schließlich zur Geschichtsschreibung und zu den Naturwissenschaften, die Menschenliebe schärfte dem Staatsbürger sein soziales Gewissen und äußerte sich in großzügiger Mildtätigkeit.

Zeittafel

1744 - Geburt in Schwerin

1749 - 2. Ehe der Mutter

1754 & 1756/57 - Schulbesuch

ab 1759 - Schauspieler

1765 - Bau des Theaters am Opernhof

1771 - Tod des Stiefvaters, Mitdirektor in Hamburg

1773 - Heirat mit Anna Christina Hart

1774 - Aufnahme in die Loge Emanuel zur Maienblume der Strikten Observanz

1774 bis 1777 - Winkelloge Elise zum warmen Herzen

1781 bis 1785 - Aufenthalt in Wien

1782 - Freimaurer-Konvent von Wilhelmsbad

1786 - Neugründung der Provinzialloge von Niedersachsen

1786 bis 1798 - Theaterdirektor in Hamburg

1787 bis 1799 - Meister vom Stuhl der Loge Emanuel zur Maienblume

1791 - 1. Ritualreform

1792 - Tod der Mutter

1793 - Gründung der Unterstützungskasse für Schauspieler

1797 - Kauf von Gut Rellingen bei Pinneberg

1799 bis 1811 - zugeordneter Provinzialgroßmeister von Niedersachsen

1801 - Constitutions-Buch der Großen Provinzial-Loge von Hamburg und Niedersachsen

1801 - 2. Ritualreform

1802 - Gründung von Engbund und Cirkel-Correspondenz

1803 - Materialien zur Geschichte der Freimaurerei seit der Wiederherstellung der grossen Loge in London, 1717

1803 - Materialien zur Geschichte der Freimaurerei seit ihrer Entstehung bis 1723

1805? - Ritualsammlung in 21 Bdn. 1806 Über alte und neue Maurerei

1810 - französische Truppen besetzen Hamburg

1811/12 - Theaterdirektor in Hamburg

1811 bis 1814 - zugeordneter Großmeister der Großen Loge von Hamburg

1813 bis 1815 - Befreiungskriege

1814 bis 1816 - Großmeister der Großen Loge von Hamburg

1816 - Tod

1816 - posthumer Druck der Rituale letzter Hand